VSG
Altglienicke – BFC Dynamo 2:1 n. V
23.05.2026
Mommsenstadion
Landespokal
Berlin Finale
Zuschauer:
7.639 (ca. 3.000 BFCler)
Es ist Samstag,
der 23. Mai 2026 in Berlin.
Ungewohnte
Szenen spielen sich ab in der Stadt, die schon viel gesehen hat und auch das
mit typisch berlinerischer Gelassenheit hinzunehmen scheint.
Nein, ich
spreche nicht von Typen mit Pferdemasken, wild herumschreienden Drogenopfern
oder völlig aufgedrehtem Berliner-Partyvolk.
Nein, heute
dann eher Leute im Bayerntrikot, neben Leuten im Stuttgarttrikot, die an Ampeln
stehen, die wahlweise mit Union-, Hertha- und Karlsruhe-Sticken zugeklebt sind.
Alle mehr oder minder in großer Vorfreunde auf das abendlich stattfindende
DFB-Pokalfinale.
Dazwischen
dann, je weiter man sich an diesem sommerlich heißen Tag dem Mommsenstadion
nährt, mehr und mehr Atzen im weinrot-weißen Dress des DDR-Rekordmeisters aus
Hohenschönhausen.
Ostberliner
Derby im Westen der Stadt. Das ist ja völlig irre und wird nur noch vom offiziellen
Titel des Berliner Verbandspokal-Finale übertroffen, denn dieser trägt doch
allen Ernstes den Namen „Cosy Wasch Cup“. Benannt nach irgendeiner
Waschanlagen-Kette. Na, hurra!
Ja, und diesem
Finale wohnen wir an diesem Nachmittag bei, zusammen mit vielen Bayern,
Schwaben, Groundhoppern und etwa 3.000 BFClern. Selbst die VSG Altglienicke
weiß heute einen aktiven Kern hinter sich, was umso mehr verwundert, da bei meinem Besuch eines
Altglienicke-Heimspiels vergangenen Sommer in deren Exil in Fürstenwalde keine
aktive Szene zu finden war.
Nun denn,
immerhin hantiert man zu Spielbeginn bekleidet in blauen respektive weißen
Maleranzügen mit gleichfarbigen Luftballons und Fähnchen herum, um wenig später
das ganze Bild noch mit Rauch und Bengalfackeln zu garnieren. War voll ok,
besonders wenn man hier gar nichts erwartet hatte. Sowohl von der Masse als
auch von der akustischen Präsenz hatte man natürlich nichts gegen den
BFC-Anhang entgegenzusetzen, der mit klassischer Oldschool-Zaunbeflaggung und
einem kleinen Intro mittels weißer Fähnchen und der ostalgischen Aussage „Der
Genosse hat angeordnet – Pokalsieg jetzt“ auftrumpft. Dazu irgendein Stasi-Typ
mit Pokal in der Hand.
War gut. Ebenso
wie der Spielverlauf, wobei dieser dann eher als kurios zu bezeichnen ist. Der
BFC geht bereits in der 8. Minute in Führung, verliert aber dann mehr und mehr
die Zielstrebigkeit im Spiel, was kurz vor der Halbzeit im Ausgleich
resultiert. Wer auf diese Szenen oder das warme Wetter dann in der Halbzeit
erstmal was trinken oder essen möchte, stößt hier brutal an seine Grenzen, denn
an den wenigen Ständen herrschte heilloses Chaos. Unfähiges, unstrukturiert
arbeitendes Thekenpersonal, was letztlich auch völlig unterbesetzt ist, sorgt
dafür, dass man gut und gerne 40 (!!) Minuten anstehen muss! Ohne scheiß, das
war das desaströste Stadioncatering, da ich jemals gesehen habe. Und seid mir
gewiss, ich habe schon viel Desaströses gesehen, denn ich bin jahrelang mit dem
SVM durch untere Ligen getourt.
Aber das war
hier heute eine neue Ebene.
Dass auch der
Platz in sehr bedenklichem Zustand ist, sei dabei nur Randnotiz. Fakt ist aber,
dass man mit dem Mommsenstadion als Austragungsort ein durchaus gewagtes
Unterfangen wagt. Dass Berlin aber im Verhältnis zur Größe aber auch über eine
sehr beschränkt spektakuläre Stadionlandschaft verfügt, ist ein weiterer Fakt.
Wo war ich? Ach
ja, das Spiel setzt sich in Hälfte zwo ähnlich wild fort. Unmittelbar nach
Wiederanpfiff kriegt der BFC nen Elfmeter zugesprochen. Trainer Sven Körner
hält es, warum auch immer, für eine geniale Idee, den schon zum Schuss
bereitstehenden Schützen auszuwechseln, um stattdessen Rufat Dadashov
einzuwechseln.
Dieses nimmt
Anlauf, schießt und versenkt den Ball in den Armen des Altglienicke-Keepers.
Keine Ahnung, was man sich jetzt dabei genau dachte, jedenfalls fällt den
Weinroten nunmehr kaum noch etwas Zielführendes ein, was sich auch nicht
ändert, als Altglienicke kurz vor Schluss um einen Mann dezimiert wird und
somit nur zu zehnt in die Nachspielzeit geht, die ich mit dem zwischenzeitlich
angetroffenen Trespass-Justus gut verlabere. Grüße gehen raus!
Der BFC drückt
auf den erneuten Führungstreffer, Altglienicke fährt einen sauberen Konter und
zack, 2:1, was dann auch zur Enttäuschung der „Gäste“ wenig später der Endstand
ist.
Neben einer
völlig versemmelten Regionalliga Nordost-Saison (Platz 12) steht man also auch
nach dem Pokalfinale mit leeren Händen da, während Altglienicke im kommenden
DFB-Pokal antritt.
Glückwusch dazu!








