CR Flamengo – Santos FC   3:1

05.04.2026

Estadio do Maracana

Serie A

Zuschauer: 68.615 (ca. 800 Gäste)

 

 

Auch am Ostersonntag sollte der Ball rollen. Und das nicht etwa irgendwo auf einem trostlosen Kunstrasen ohne Ausbau, nein, das legendäre Estádio Jornalista Mário Filho, besser bekannt als Maracana, war Ziel des heutigen Ausflugs.

Allein über dieses Stadion könnte man Seiten füllen, das überlasse ich dann allerdings doch lieber Wikipedia und Co.

Nur so viel: Bei seiner Fertigstellung 1950 war es mit einem Fassungsvermögen von 200.000 Menschen das größte Stadion der Welt, wurde dann aber nach und nach „versitzplatzt“ und zurückgebaut, sodass es spätestens seit der aus deutscher Sicht äußerst erfolgreichen WM 2014 „nur“ noch knapp 79.000 Plätze bietet.

Diese reichen für gewöhnlich aus, sodass jeder, der ein Spiel hier sehen will, eigentlich auch reinkommt, außer es handelt sich um besonders wichtige Spiele in der Liga oder in der Copa. Flamengo teilt sich das Stadion mit Fluminense, wobei Flamengo wesentlich mehr Massen anzieht. Für die Derbys gegen Fla und Flu verlässt dann auch Vasco oftmals seine Heimstätte und trägt dann im Maracana seine „Heimspiele“ aus.

Dennoch bedeutete auch hier zum Heimspiel von Flamengo der Ticketerwerb samt Face-ID wieder einiges an Nerven, da zum Beispiel die deutsche Kreditkarte nicht akzeptiert wurde bzw. das eigene Passwort fälschlicherweise als falsch vom System erklärt wurde. Puhhh, letztlich klappte es dann mithilfe eines Bekannten, der mittlerweile in Brasilien lebt aber dann doch. Aber insgesamt ein ziemlich Aufriss….

Aber: Insgesamt ein sehr erhabenes Gefühl am Spieltag mit all den Flamengo-Lads und Lasses mit der Metro rauszufahren zur gleichnamigen Haltestelle (Maracana) und erstmalig vor diesem Bauwerk zu stehen, was an ein gelandetes Ufo erinnert, welchem man sich über die Zuwegungen Meter für Meter nährt, ehe man vor diesem Betonkoloss steht.

Der Weg vorbei an einem feinen Gewusel, unzähligen Bierverkäufern und Trikothändlern, geht es irgendwann nach abermals einwandfrei funktionierendem Face-ID-Check hinein in den Ort des Triumphes von 2014. Die Trikotdichte liegt bei gefühlt 95% und so ist Rot die dominierende Farbe im mehr als gut gefüllten Ground.

Flamengo ist die uneingeschränkte Nummer 1 der Stadt, wenn nicht sogar in Brasilien. Der Verein ist amtierender Meister (8 Titel) und ebenso Titelträger der Copa Sudamericana. Sogar der Weltpokal (1981) steht in der Vereinsvitrine. Aber auch der Gegner ist ne große Nummer. Acht Mal Meister, drei Mal Copa, drei Mal Weltpokal ist schon ne Ansage. Neymar lässt hier seine Karriere ausklingen, spielte aber heute vermutlich zur Enttäuschung einiger Vieler nicht, da offenbar verletzt und generell mit 34 Jahren nicht mehr ganz jung.

Dennoch wird das Team von schwer zu schätzenden 800 - 1.000 Leuten begleitet, die zwar wenig von sich hören lassen, dafür aber weitgehend in weiß gekleidet ein recht stabiles Bild im Away-End abgeben.

Viel zu melden hätten sie auch nicht gehabt, denn die Heimseite war laut, oftmals lauter als erwartet. Letztlich bin ich ohne Erwartungen in dieses Spiel gegangen, wollte mich vielmehr überraschen lassen und war am Ende wirklich gut zufrieden.

Ein großer Teil des Publikums verfolgt das Spiel stehend und ist dabei mit Leidenschaft dabei. Gerade nachdem der 0:1-Rückstand auf ein 2:1 (und später 3:1) gedreht wurde, zog das Heimpublikum komplett mit.

Der Support war auch hier typisch „brasilianisch“, so macht jede Torcida (von denen auf Heimseite „Charanga Rubro-Negra“ die Größte ist) hier irgendwie ihr eigenes Ding, was aus deutscher Brille eben recht sinnlos erscheint, da zwar ein konstanter Geräuschpegel herrscht, aber eben kein Wumms und keine solche Energie wie in deutschen Stadien erzeugt wird. Untereinander ist man sich dabei nicht mal richtig „grün“, sodass sich wohl auch erstmal nichts dergleichen ändern wird.

Aber was maße ich mir an? Gibt ja auch genug Stimmen, denen der oftmals völlig vom Spielverlauf entkoppelte Ultra-Dauersingsang in Deutschland ein Dorn im Auge ist. Wie man es dreht und wendet, authentisch war das hier auf jeden Fall und Leidenschaft war auch bei solch einem großen Club wie Flamengo zu finden. Komplett andere Welt als tags zuvor bei Vasco, aber auch hier recht gut!

Völlig zufrieden machte man sich auch hier nach Abpfiff auf den „Heimweg“ und hatte insgesamt noch die 2,5 Folgetage eine wirklich gute Zeit in Rio. 

Top Ausflug!