Polizei SV Braunschweig – FC Mainaustraße 1:3

27.08.2026

Olympia-Skistadion

Freundschaftsspiel

Zuschauer: 2.713

 

 

 

Verwunderte Blicke an allen Ecken als sich viele Kleingruppen zumeist zu Fuß auf den etwa einstündigen Weg vom Stadion am Gröben zur Skischanze machen. Der gewöhnliche Garmisch-Tourist hat so gar keine Ahnung, was hier los ist und was diese rund 2.000 Fußball-Leute hier machen.

Auch die Stadt scheint solche Kapazitäten nicht zu haben, denn die wenigen Busse, die hier fahren, sind hoffnungslos überfüllt und so müssen zum Beispiel wir mit zwei Chemikern aus Leipzig-Leutzsch ein Taxi nutzen, um uns zu Schanze chauffieren zu lassen. Grüße gehen raus!

Ein leichtes Kribbeln ist nicht zu ignorieren, als man schon aus einiger Distanz die Schanzen erblickt, von denen die Hauptschanze natürlich absoluter Blickfang ist. Ja, ich habe Bock!

Das Olympia-Skistadion wurde 1936 für die Olympischen Spiele errichte, heutzutage wird es noch fürs traditionelle Neujahrsspringen und für die Vierschanzentournee genutzt.

Allein die Idee bzw. Vision hier ein Fußballspiel auszutragen verdient einen Orden, denn es ist ja nicht unbedingt naheliegend, wenn man das Gelände hauptsächlich mit Skispringen verbindet. Wobei – Fußball wurde hier tatsächlich in der Vergangenheit gespielt, allerdings ist dies über 50 Jahre her, die Angaben, die man so bei der Recherche findet, variieren etwas, aber irgendwann so in der 1970er Jahren dürfte der SC Eibsee Grainau hier ein paar Heimspiele ausgetragen haben.  

So oder so dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand der heute Anwesenden hier schon sein Kreuz im Groundhopping-Informer gesetzt haben und jeder, der heute nicht hier war, wird diese Gelegenheit eventuell nie wieder bekommen.

Entsprechend groß ist das Interesse, dabei zu sein, wenn diesem Lost-Ground mit einem Fußballspiel wieder kurzzeitig Leben eingehaucht wird.  Die gesamte Orga ist an diesem Tag dabei so professionell und top strukturiert, da können sich viele, die dies gewerblich machen, ein großes Beispiel nehmen.

Angefangen von der reibungslos verlaufenden Kartenausgabe, über die kostenlose Trinkwasserspender, die bei knapp 40 Grad heute lebensrettend sind, die wunderschöne Eintrittskarte, das gegen eine Spende erhältliche Merch, das zügig funktionierende Catering, die extra zusätzlich verlegten Meter Kunstrasen, die das Spielfeld erst in eine regelkonforme Größe bringen, die vielen kleinen liebevollen Details, an die gedacht wurde, bis hin zu der völlig entspannten, respektvollen und freundlichen Stimmung unter den Besuchern, die zwar aus Szenen aus ganz Deutschland (und teilweise sogar dem Ausland) stammen, dabei aber im gleichen Hobby vereint sind, um nicht zu sagen, den gleichen kompletten Dachschaden haben.

Ja, über 700 Kilometer anzureisen, um bei knapp 40 Grad ohne nennenswerten Schatten dem Kick zweier sehr unterklassiger Teams am Rande einer Skisprungschanze beizuwohnen, löst bei Leuten außerhalb dieser „Bubble“ verständlicherweise Irritationen aus.

Aber hey, das ist mir völlig egal, denn auch ich verstehe so manche Sachen, die andere Leute so machen, nicht.

So oder so ist das Spiel zwischen dem Polizeisportverein und der 2016 gegründeten Mannschaft aus Flüchtlingen heute nur der Rahmen, denn der eigentliche Star ist das wunderschöne Stadion, welches in Hufeisenform  - eingebettet in der herrlichen Landschaft der Alpenregion – daherkommt und natürlich durch die Schanzen im Hintergrund ein absoluter Knaller ist.

Noch jetzt, knapp eine Woche nach Spielbesuch, wirken die vielen Eindrücke des Tages nach und ich habe es keine Sekunde bereut, die „Strapazen“ auf mich genommen zu haben.

Grüße an alle, die man an diesem Tag getroffen hat und ein dickes Danke, Danke, Danke an das Team vom PSV für diese Wahnsinnsleistung, die man gar nicht hoch genug wertschätzen kann.

Ich verneige mich!