CR Vasco da Gama – Botafogo FR  1:2

04.04.2026

Serie A

Estadio São Januario

Zuschauer: 20.021 (ca. 400 Gäste)

 

Über die Osterfeiertage 2026 sollte wieder einmal den doch irgendwie öden Feiertagen in Deutschland entflohen werden und stattdessen bei Caipirinha und 28 Grad am Zuckerhut verbracht werden.

Brasilien- schon seit langem ein Sehnsuchtsland. Zuckerhut, Copacabana, Favelas, Caipirinha und natürlich ein fußballverrücktes Volk.

All das ergibt eine mächtige Anziehungskraft und so sollte es im Frühjahr 2026 endlich so weit sein.

Amsterdam-Frankfurt-Rio, den gleichen Weg zurück lautete die von uns auserkorene Route mit dem Kranich. Das Verrückte dabei: Zunächst die Flieger von und nach Amsterdam zu nehmen, war gute 200 Euro günstiger als direkt in Frankfurt in den Flieger zu steigen. Das ist ja völlig irre und hängt vermutlich mit den unterschiedlichen Besteuerungen in NL und Dtl. zusammen. So wird dann aber die Flugscham mal elegant beiseite geschoben und es geht eben ab Schiphol los, was ja ohnehin näher an Meppen liegt, als die Metropole am Main.

 

So landen meine Gemahlin und ich also pünktlich am Samstagmorgen in Rio, von wo es aber direkt noch ca. 3 Stunden weiterging.

Die Ilha Grande, was frei übersetzt „Große Insel“ heißt, ist eine große Insel (ca. 129 Quadradkilometer) westlich von Rio. Hier nutzten wir dann die ersten Tage, um all den Alltagsquatsch abzuschütteln und einfach mal die geile Landschaft in der Kombination aus Regenwald und Strände zu genießen oder Affen, Kolibris und bunte Vögel vom Balkon zu beobachten! Absolut top, Empfehlung geht raus! (Bilder gibt es auf meinem Insta-Account).

Kurz vor Ostern wurde dann aber die beschauliche Ruhe der autofreien Insel gegen das Gewusel der 12-Millionen-City eingetauscht.

Irgendwie ein irres Gefühl, erstmalig im Lebenn an der Copacabana zu stehen, den Blick auf Zuckerhut und die Christusstatur. Kurze Hose, Flip Flops, bestes Leben!

Und am Samstag auch noch Fußball und das gleich bei Vasco da Gama. Ich hatte vorab im Netz immer mal wieder Bilder dieses Vereins mit seinem irren Stadion und Fans gesehen und mit gesagt; da musst du mal hin und zwar bevor der Verein seine Stadionumbaufantasien in die Tat umsetzt und die Bagger harten Frevel an dieser 1927 eröffneten und in der Zwischenzeit weitgehend unverändert gebliebener Stadionschönheit üben.

Ja, und nun bin ich diesem Traum recht nahe, steht nur noch die kleine Hürde der Ticketbeschaffung im Raum, die hat es aber durchaus in sich.

Seit gut einem Jahr gibt es keine physischen Eintrittskarten mehr, der Ticketverkauf findet nur noch online statt und dazu ist es zwingend erforderlich, ein Selfie von sich in dem Account zu laden, da am Einlass ähnlich wie am Airport das Gesicht gescannt wird und das System in Sekundenschnelle erkennt, ob dieses Gesucht mit einem gekauften Ticket verknüpft ist. Willkommen im Jahr 2026!

Irgendwie ein völlig seltsames Gefühl einfach ohne irgendwas (ok, ein paar Screenshots vom offenbar erfolgreichen Bestellvorgang hatten für den Fall der Fälle auf dem Handy) am Einlass anzutanzen und darauf zu hoffen, dass die KI dein hässliches Gesicht erkennt.

Funktionierte aber tatsächlich und so ging es voller Vorfreude rein in das geile Teil, welches sich Stück für Stück bis auf gut 20.000 Zuschauer füllte.

Nachahmern sei überdies empfohlen, an Spieltagen hier ruhig locker zwei Stunden vor Anpfiff aufzutauchen, denn die Atmosphäre ist hier insbesondere auf der Straße vor der Haupttribüne mit seiner endgeilen Fassade ein wahrer Traum. Ein irres Gewusel, Kneipen an den Straßenecken, Fleischspieße und Burger vom Grill, alle paar Meter gibt’s Bier zum schmalen Taler. Das alles im schwummrigen Licht der Straßenlaternen des Viertels Vasco da Gama, welches nicht gerade zu den Tourigegenden Rios gehört, an Spieltagen innerhalb der Zuschauerströme aber unbedenklich besucht werden kann. Eine Hin- und Rückfahrt mit Uber oder Taxi sei aber empfohlen, die Seitenstraßen weiter entfernt vom Stadion sicherlich zu meiden.

Zum Anpfiff ist die Hütte sehr gut gefüllt und auch im kleinen Gästebereich hatten sich ca. 400 Leute aus dem gleichnamigen Stadtteil Rios von Botafogo eingefunden. Beide Fanlager sind sich vermutlich nicht zuletzt aufgrund der gleichen Vereinsfarben freundschaftlich verbunden, sodass die Partie zwischen Vasco und Botafogo auch „Classico do Amizade“ (Derby der Freundschaft) genannt wird.

 

Die Szene Vascos arbeitet gerne mit Elementen der Rock-und Heavy Metal-Kultur und so ist insbesondere Iron Maiden Eddie ein oft genutztes Motiv. So auch heute zum Intro, wo auf der Geraden und Gegengeraden sein Konterfei genutzt wurde, auch um auf die bessere Erfolgsbilanz Vascos im Vergleich zum „Stadtrivalen“ aufmerksam zu machen.

Dazu gab es in der Kurve einfach mal satten schwarzen Rauch und auch in der zwoten Hälfte wurde mit optischen Stilelementen in Form von langen Luftballons, Eddy-Symboliken und mittels einer - wohl bei Spielen im regelmäßigen Abständen immer mal wieder gezeigten- Blockfahne, der 2023 verstorbenen Mega-Vereinslegende Roberto Dinamite gedacht, welcher die krasse Zahl von rund 1.000 Spielen und 698 Toren für Vasco vorweisen kann, 53 Mal für die Nationalelf spielte und später auch Vereinspräsident war.

 

Ja, die Stimmung in Sao Januario war großartig, insbesondere nach dem 1:0 Führungstreffer Vascos zeigte sich echte südamerikanische Leidenschaft und die umherfliegenden Bierbecher spendeten kurzzeitig etwas Abkühlung an diesem warmen Abend.

Zwei schnelle Tore der Gäste wendeten das Blatt aber schnell, sodass leider kein Heimsieg auf der Anzeigetafel vermeldet werden konnte.

Dennoch ein geiler Abend in einem geilen Stadion bei einem geilen Club!